Ob Obstkorb, Jobrad oder Vier-Tage-Woche – Benefits sind längst mehr als kleine Extras. Sie sind oft ausschlaggebend, ob Bewerbende einem Job zusagen oder abspringen. Trotzdem haben 42% der deutschen Unternehmen immer noch keine feste Benefits-Strategie (Mercer-Studie Benefits und Wellbeing Deutschland 2024/25), obwohl sie ein zentraler Faktor im Wettbewerb um Talente sind.
Gerade im Fachkräftemangel und mit steigenden Erwartungen an Work-Life-Balance wird aber klar: Wer punktet, sind Arbeitgeber:innen mit zeitgemäßen und durchdachten Zusatzleistungen.
Was genau sind Benefits?
Benefits (dt. Vorteile) sind freiwillige Zusatzleistungen, die Arbeitgeber:innen neben dem Gehalt anbieten. Sie bieten mehr Möglichkeiten, Komfort oder Arbeitsqualität etwa durch mehr Freizeit, flexible Arbeitszeiten oder bessere Arbeitsbedingungen.
Eine Kununu-Studie von 2024 zeigt: Arbeitnehmer:innen wären bereit, fast 10 % ihres Gehalts für attraktive Benefits einzutauschen. Zusätzliche Leistungen im Arbeitsumfeld sind also extrem wichtig, denn sie steigern Zufriedenheit, binden Mitarbeitende an das Unternehmen und erhöhen die Attraktivität für neue Talente. Modern gedachte Zusatzleistungen sind daher ein zentraler Teil der Unternehmensstrategie und zeigen Wertschätzung gegenüber den Bedürfnissen der Mitarbeitenden.
Doch die Frage ist: welche Benefits überzeugen Mitarbeitende tatsächlich und auf welche Weise setzen sie Unternehmen klug ein?
Welche Benefits heute wirklich zählen
Benefits gehören mittlerweile zu jeder Jobbeschreibung dazu. Sie bestimmen mit, wie attraktiv ein Job wirklich ist, denn immer attraktiver werden Angebote, die Alltag und Arbeitsleben leichter verbinden.
Die Top-Benefits im Arbeitsalltag
Besonders gefragt sind Benefits, die Alltag und Lebensqualität verbessern. Ganz oben stehen Flexibilität durch Homeoffice, Gleitzeit, eine betriebliche Altersvorsorge, Gesundheitsangebote wie Fitnesszuschüsse sowie Mobilität durch Jobticket oder Jobrad. Auch Weiterbildung, Karrierechancen und soziale Leistungen wie Kinderbetreuung oder Pflegeunterstützung sind wichtig. Laut einer Kununu Studie wünschen sich Bewerber:innen vor allem mehr Urlaubstage (66 %), Fahrkostenzuschüsse (56 %) und Mitarbeiterrabatte (55 %).
Von Workation bis Vier-Tage-Woche – was kommt als Nächstes?
Die Vier-Tage-Woche wird zwar überall diskutiert, wird aber bisher nur von 2 % der deutschen Unternehmen angeboten (Mercer 2024/25). Workation und Sabbatical werden auch immer beliebter, sind aber noch kein Standard.
Parallel gewinnen Nachhaltigkeit und Digitalisierung an Gewicht: Firmenrad, BahnCard oder Zuschüsse fürs Homeoffice werden immer gefragter. Noch selten, aber zunehmend sichtbar sind Leistungen rund um Frauengesundheit, Familienplanung oder Pflege. Wer hier früh Angebote macht, verschafft sich ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Nicht jeder Benefit passt für alle
Es ist klar, dass Benefits nicht bei allen gleich wirken. Mehr als 80% junger Bewerber:innen im Alter von 18 bis 28 Jahren legen laut Kununu besonderen Wert auf Weiterbildung und flexible Arbeitsformen. Für familienorientierte Mitarbeitende spielen wiederum Kinderbetreuung, Elternzeit oder Pflegeangebote eine entscheidende Rolle. Führungskräfte achten dagegen stärker auf materielle Zusatzleistungen wie Dienstwagen, Bonuszahlungen oder Extra-Urlaub. Gute Zusatzleistungen funktionieren also nur, wenn sie zielgruppenorientiert gestaltet sind. Doch obwohl viele Benefits verlockend klingen, wirken sie oft nur auf den ersten Blick.
No-Gos für Bewerbende
Vorsicht! Nicht alle Leistungen machen einen guten Eindruck. Leere Phrasen wie „junges, dynamisches Team“ oder „flache Hierarchien“ wirken laut Basic Thinking auf über die Hälfte der Bewerber:innen eher abschreckend, weil sie keinen echten Mehrwert bieten. Auch unklare Formulierungen wie „Homeoffice nach Absprache“ oder fehlende Transparenz wirken schnell unglaubwürdig. Gleiches gilt für veraltete Benefits wie Obstkörbe, kostenloser Kaffee oder gesetzlich ohnehin vorgesehene Leistungen. Sie wirken schnell oberflächlich und lassen das Unternehmen unseriös erscheinen.
Diese “Benefits” schrecken Bewerbende ab:
- Pünktliche Gehaltszahlung
- Homeoffice „nach Absprache“ (ohne klare Regelung)
- Flexible Arbeitszeiten (ohne Struktur)
- Familiäres Umfeld (Überstunden inklusive)
- 20 Tage Urlaub (gesetzlicher Mindesturlaub)
- Gratis Leitungswasser/ Casual Friday/ Freundliche Kollegen (sozialer Standard)
- Branchenübliches Gehalt (Voraussetzung, kein Benefit)
- Gute Erreichbarkeit mit dem Fahrrad
Was Unternehmen beachten müssen
So wichtig Benefits für Mitarbeitende auch sind, es gibt klare Vorgaben, an die sich Unternehmen halten müssen. Arbeits-, Steuer- und Wettbewerbsrecht setzen den Rahmen dafür, welche Zusatzleistungen erlaubt sind und wie sie gestaltet werden müssen.
Rechtlich sicher und steuerlich klug
Grundsätzlich müssen Benefits allen Mitarbeitenden offenstehen, unabhängig z.B. von Geschlecht oder Arbeitsmodell (§§ 1, 7 AGG). Zudem hat der Betriebsrat bei sozialen Leistungen wie Essenszuschüssen, Jobrad oder Gesundheitsprogrammen ein Mitspracherecht (§ 87 Abs. 1 BetrVG).
Auch steuerlich lohnt es sich: Viele Leistungen sind für Mitarbeitende steuer- und sozialversicherungsfrei wie Sachbezüge bis 50 € monatlich, Zuschüsse zu Kinderbetreuung, Gesundheitskursen oder Weiterbildungen. Für Arbeitgeber:innen können diese Ausgaben gleichzeitig als Betriebsausgaben abgesetzt werden, zum Beispiel Fahrtkostenzuschüsse, Verpflegungspauschalen bei Dienstreisen oder Rabatte auf eigene Produkte (§ 8 Abs. 2 Satz 11 EStG). Auf diese Weise profitieren sowohl die Mitarbeitenden als auch das Unternehmen.
Ehrliche Vorteile statt leere Versprechen
Transparenz ist das A und O, wenn es um Benefits geht. Verspricht ein Unternehmen in einer Stellenanzeige bestimmte Leistungen oder Arbeitsbedingungen, müssen diese auch wirklich gehalten werden. Übertriebene oder unklare Angaben wirken schnell unglaubwürdig und können sogar rechtliche Probleme nach sich ziehen (§ 5 UWG). Das heißt konkret: Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder Zuschüsse sollten klar definiert und tatsächlich umsetzbar sein. Wer hier ehrlich kommuniziert, gewinnt Vertrauen bei Bewerbenden und stärkt gleichzeitig seine Arbeitgebermarke.
Benefits: der Schlüssel im Wettbewerb um Talente
Benefits sind längst keine kleinen Extras mehr, sondern ein entscheidender Faktor im Kampf um Talente. Obstkorb oder kostenlose Getränke gelten heute fast schon als selbstverständlich und schaffen kaum noch Bindung. Gefragt sind Leistungen, die wirklich einen Unterschied machen, wie flexible Arbeitsmodelle, Gesundheits- und Mobilitätsangebote, finanzielle Sicherheit sowie Möglichkeiten zur Weiterbildung und persönlichen Entwicklung.
Für Unternehmen heißt das: Wer wirklich punkten will, muss mehr bieten als Obstkorb und Kaffee.