Du tankst, schaust auf die Anzeige und denkst: Das kann doch nicht sein. Jeder Liter kostet wieder über 2 Euro. Für viele Menschen, die keine Wahl haben und täglich mit dem Auto zur Arbeit fahren müssen, ist das ein riesiges Problem. Besonders wenn du in der Zeitarbeit tätig bist und deinen Einsatzort nicht immer selbst wählen kannst. Doch warum sind die Preise momentan so hoch und was bedeutet das für dich als Zeitarbeitnehmer:in?
Warum ist Sprit gerade so teuer?
Hinter den hohen Preisen stecken mehrere Ursachen auf einmal. Der wichtigste Faktor ist der Rohölpreis. Öl wird weltweit in US-Dollar gehandelt. Steigt der Ölpreis oder der Dollarkurs, wird Sprit in Deutschland teurer. Besonders durch den Krieg in Nahost Anfang 2026 stieg der Rohölpreis auf über 90 Dollar pro Barrel. Der Grund: Seit dem Iran-Krieg ist die sogenannte Straße von Hormus faktisch gesperrt. Das ist eine wichtige Meeresenge zwischen Iran und Oman. Durch diesen Weg fließt normalerweise rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls. Fällt diese Route weg, steigen die Ölpreise sofort und das macht sich an der Zapfsäule bemerkbar.
Hinzu kommt, dass Deutschland ohnehin zu den teuersten Kraftstoffmärkten in Europa gehört. Außerdem machen Steuern und Abgaben wie die Energiesteuer, die CO2-Abgabe und die Mehrwertsteuer einen großen Teil des Endpreises aus. Ein Großteil dessen, was du tankst, geht also direkt an den Staat.
Was bedeutet das für dich als Zeitarbeitnehmer:in?
Dür dich und andere Zeitarbeitnehmer:innen bringen die täglichen Wege besondere Herausforderungen mit sich, da sie durch das Prinzip der Arbeitnehmerüberlassung flexibel an wechselnden Einsatzorten eingesetzt werden. Diese ständigen Ortswechsel machen eine langfristige, feste Planung der Pendelwege im Voraus nahezu unmöglich. Erschwert wird die Situation dadurch, dass viele Entleihbetriebe in abgelegenen Industrie- oder Gewerbegebieten am Stadtrand angesiedelt sind. Da diese Gebiete oft unzureichend an den öffentlichen Nahverkehr angebunden sind, wird ein eigenes Auto zur Notwendigkeit, um den Arbeitsplatz überhaupt zu erreichen. Gleichzeitig gibt es keinerlei gesetzlichen Anspruch auf Homeoffice und selbst wenn es diesen gäbe, lässt sich mobiles Arbeiten in den typischen Einsatzbereichen der Zeitarbeit wie Produktion, Logistik oder Handel nicht umsetzen, da dort physische Präsenz zwingend erforderlich ist. Zu alldem kommt eine wirtschaftliche Kettenreaktion, denn die hohen Fahrtkosten belasten nicht nur den eigenen Geldbeutel, sondern spiegeln sich im Gesamtsystem wider. Wenn die Logistik- und Transportwege der Unternehmen durch steigende Energie- und Kraftstoffpreise teurer werden, verlagern die Betriebe diese Mehrkosten auf ihre Produkte. Die Folge: höhere Produktpreise im Handel.
Was du im Kopf behalten solltest
Fahrgeld und Fahrtkostenerstattung gibt es bei vielen Personaldienstleister:innen. Frag aktiv danach, wenn dir das bisher nicht angeboten wurde. Viele Unternehmen regeln das über den Tarifvertrag oder individuelle Vereinbarungen. Außerdem können Fahrgemeinschaften mit Kolleg:innen eine echte Entlastung sein. Wenn zwei oder drei Personen denselben Einsatzort haben, teilt ihr euch die Kosten. Das lohnt sich schnell. Zusätzlich helfen Tank-Apps dabei, die günstigste Tankstelle in deiner Nähe zu finden. Schon wenige Cent Unterschied pro Liter können über den Monat einen spürbaren Unterschied ausmachen. Auch spritsparend fahren senkt deinen Verbrauch deutlich. Gleichmäßiges Fahren, frühzeitiges Schalten und vorausschauendes Bremsen können den Verbrauch um 10 bis 20 Prozent reduzieren. Das klingt simpel, macht aber auf Dauer einen echten Unterschied.
Wichtig: Laut ADAC sind die Spritpreise abends zwischen 18 und 22 Uhr oft günstiger als morgens. Das liegt daran, dass die Preise im Tagesverlauf schwanken.
Was tun, wenn die Kosten zu hoch werden?
Wenn du merkst, dass dein Gehalt die Fahrtkosten kaum noch abdeckt, musst du handeln. Dann lohnt sich das Gespräch mit deiner Personaldienstleister:in. Gute Personaldienstleister:innen suchen gemeinsam mit dir nach Lösungen, wie einem Einsatzort näher an deinem Wohnort. Manche Arbeitgeber:innen bieten auch mehr Flexibilität an, zum Beispiel durch angepasste Arbeitszeiten, damit du günstiger oder mit weniger Stau fahren kannst. Außerdem lohnt es sich zu prüfen, ob du Fahrtkosten in deiner Steuererklärung geltend machen kannst. Die Pendlerpauschale gilt auch für Zeitarbeitnehmer:innen. Für jeden Kilometer zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte kannst du 0,38 Euro ansetzen und das senkt deine Steuerlast am Jahresende. Kurz gesagt: Sei schlau und hol dir dein Geld beim Finanzamt wieder zurück!
So meisterst du den Alltag mit hohen Spritpreisen
Die hohen Tankkosten lassen sich nicht mehr wegignorieren, aber du kannst aktiv gegensteuern. Hier sind konkrete Alltagstipps, die du sofort umsetzen kannst.
• Fahrten clever kombinieren: Erledigungen wie Einkauf, Apotheke oder Behördengänge direkt auf den Arbeitsweg legen, um Extrakilometer zu sparen.
• ÖPNV-Optionen prüfen: Aktuelle Verbindungen neu checken und beim Arbeitgeber nach einem bezuschussten Jobticket fragen.
• Deutschlandticket nutzen: Für Pendler lohnt sich das bundesweite Nahverkehrsticket für 58 Euro im Monat oft eher als das tägliche Tanken.
• Auto optimal instand halten: Richtiger Reifendruck spart bis zu 3 % Sprit; regelmäßige Ölwechsel und saubere Luftfilter senken den Verbrauch zusätzlich.
• Langfristig über Fahrzeugwechsel nachdenken: Bei vielen Kilometern lohnt sich für die Zukunft der Umstieg auf ein sparsames Hybrid-, Benzinauto oder sogar auf ein nachhaltiges Elektroauto.
• Offenes Gespräch mit dem Personaldienstleister suchen: Fahrtkosten ansprechen – oft gibt es ungeahnte Lösungen wie nähere Einsatzorte oder flexiblere Schichtzeiten.
Fazit: Dein Weg durch die Krise
Die hohen Spritpreise sind für alle Arbeitnehmer:innen aus der Zeitarbeit eine echte Belastung. Aber wer clever tankt, Kosten mit Kolleg:innen teilt und offen mit seiner Personaldienstleister:in spricht, kommt gut durch diese Phase. Also sei informiert und werde schnell aktiv! Denn gerade in der Zeitarbeit lohnt es sich, nicht einfach abzuwarten. Die Branche bietet Flexibilität und Abwechslung. Das ist ein echter Vorteil in einem Arbeitsmarkt, der sich stetig verändert. Lass dich also nicht entmutigen. Mit dem richtigen Blick in die Zukunft und einem offenen Gespräch mit deiner Personaldienstleister:in findest du einen guten Weg durch diese Phase.