Kennst du das frustrierende Gefühl beim Durchstöbern von Stellenanzeigen? Du findest einen Job der perfekt zu deinen Fähigkeiten passt, aber eine entscheidende Information fehlt fast immer: das Gehalt. Für dich in der Zeitarbeit ist das besonders nervig, weil du oft schnell wissen musst, ob sich ein Einsatz finanziell lohnt oder nicht. Doch damit ist bald endlich Schluss. Ab Juni 2026 sorgt die neue EU-Richtlinie zur Entgelttransparenz dafür, dass Unternehmen alles rund ums Geld offenlegen müssen.
Der aktuelle Stand
Das Entgelttransparenzgesetz (EntTranspG) wurde in Deutschland 2017 eingeführt, um der Lohndiskriminierung von Frauen entgegen zu wirken. In der Realität hat sich die strukturelle Lohnlücke zwischen den Geschlechtern aber kaum verkleinert. Ein Hauptgrund ist die hohe Hürde bei der Betriebsgröße, denn der Auskunftsanspruch greift erst ab 200 Beschäftigten und schließt somit viele Angestellte in mittelständischen Unternehmen aus. Zudem liegt die Last der Initiative bei den Arbeitnehmenden selbst, was eine erhebliche Hemmschwelle darstellt. Deshalb haben laut dem Wirksamkeitsbericht von 2023 bisher lediglich 4 % der Befragten von ihrem Recht Gebrauch gemacht, während nur knapp 30 % der Betriebe ihre Entgeltstrukturen seit 2019 überhaupt überprüft haben. Damit scheitert das bisherige Gesetz deutlich an zu hohen Barrieren und schafft keine reale Transparenz im Arbeitsalltag.
Das ändert sich ab Juni 2026
Ab dem 7. Juni 2026 wird alles strenger und verbindlicher. Diesmal hängen die Pflichten nicht mehr von einer riesigen Mitarbeiterzahl ab. Selbst kleine Betriebe und Steuerkanzleien müssen sich künftig an die neuen Regeln halten. Wer sich nicht kümmert riskiert rechtliche Folgen und Bußgelder.
Transparenz in der Stellenausschreibung
Die wohl wichtigste Änderung für dich als Bewerber betrifft die Stellenanzeigen. Künftig müssen Unternehmen eine Gehaltsspanne oder mindestens ein konkretes Einstiegsgehalt direkt in der Anzeige nennen. Ab Juni weißt du also schon vor dem Vorstellungsgespräch, ob die Bezahlung deinen Vorstellungen entspricht. Diese Transparenz stellt die Jobsuche auf den Kopf, weil schwammige Formulierungen wie attraktive oder branchenübliche Vergütung dann nicht mehr ausreichen. Dadurch kannst du viel gezielter nach passenden Einsätzen suchen. Außerdem darfst du im Vorstellungsgespräch künftig nicht mehr nach deinem früheren Gehalt gefragt werden. Dein Gehalt für deinen neuen Job wird damit allein an der Tätigkeit und deinen Qualifikationen gemessen.
Dein neues Auskunftsrecht im Job
Auch wenn du schon fest im Job steckst, hast du ab Sommer 2026 viel mehr Rechte. Die Hürden für dein Auskunftsrecht sinken deutlich. Du darfst dann ganz genau wissen, nach welchen Kriterien dein Gehalt geplant wird. Außerdem hast du das Recht zu erfahren, was deine Kolleg:innen im Durchschnitt verdienen, wenn sie einen vergleichbaren Job machen. Diese Infos müssen nach Geschlechtern getrennt sein. Dein Arbeitgeber hat zwei Monate Zeit für die Antwort und muss dich sogar einmal im Jahr von sich aus an dieses Recht erinnern. Du musst also nicht mehr heimlich bei deinen Kolleg:innen fragen, sondern hast einen gesetzlichen Anspruch auf diese Daten.
Fakten statt Floskeln
Unternehmen müssen künftig offizielle Berichte über ihre Löhne schreiben. Wie oft das passiert, kommt auf die Größe an. Ab 100 Mitarbeitern wird alle drei Jahre berichtet und große Firmen ab 250 Leuten müssen sogar jedes Jahr ran. Wenn dabei rauskommt, dass die Lohnlücke über 5% liegt, hat das Konsequenzen. Die Firma muss dann zusammen mit dem Betriebsrat genau hinschauen und den Unterschied beseitigen. Ungerechtigkeiten können dann nicht einfach mehr ignoriert werden.
Die Beweislast liegt im Unternehmen
Ein entscheidender Punkt ist die neue Regelung zur Beweislast. Bisher musstest du beweisen, dass du unfair bezahlt wirst, was ohne Einblick in die Firmenakten fast unmöglich war. Ab 2026 ändert sich das! Dann muss der Arbeitgeber belegen, dass keine Diskriminierung vorliegt und die Bezahlung auf fairen Kriterien beruht. Wer dann keine klaren Gehaltsstrukturen hat, gerät schnell in Erklärungsnot. Das stärkt deine Position enorm, falls du dich jemals gerichtlich gegen unfaire Bezahlung wehren musst.
Was das für dich in der Zeitarbeit bedeutet
Für dich als Zeitarbeitnehmer:in bietet die neue Transparenz eine riesige Chance. Oft arbeitest du in verschiedenen Betrieben und siehst, wie unterschiedlich die Bezahlung sein kann. Gehaltsunterschiede können damit nicht mehr ignoriert werden. Auch wenn das für viele Personalabteilungen erst mal Stress bedeutet, führt es am Ende zu faireren Strukturen, von denen du direkt profitierst.
Die Änderungen auf einen Blick
- Firmen müssen Gehaltsspannen in Stellenanzeigen nennen
- Fragen nach deinem alten Gehalt im Vorstellungsgespräch sind verboten
- Auskunftsrecht über Durchschnittsgehälter schon ab 50 Mitarbeitern
- Informations-Anspruch zu den Kriterien deiner Bezahlung
- zwei Monate Frist für Antworten auf deine Gehaltsanfragen
- Jährliche Rechte-Auskunft durch den Chef
- Beweislastumkehr vor Gericht die Firma muss faire Bezahlung belegen
- Berichtspflicht zur Lohngerechtigkeit für Unternehmen ab 100 Leuten
- Ausgleichspflicht bei Lohnunterschieden über 5%
Dein Weg zu mehr Fairness im Job
Obwohl das neue Gesetz viele Vorteile hat, schließt Transparenz allein die Lohnlücke nicht von heute auf morgen. Dinge wie Teilzeit oder Erwerbsunterbrechungen spielen weiterhin eine Rolle bei der Gehaltsentwicklung. Aber das Gesetz zwingt Arbeitgeber:innen endlich dazu, transparent zu sein und deine Bezahlung logisch zu begründen. Du kannst dich also darauf freuen, dass Leistung und Qualifikation künftig sichtbarer belohnt werden und der Blick auf den Gehaltszettel endlich gerechter wird. Gute Arbeit verdient ein faires und gleichberechtigtes Gehalt und ab 2026 hast du es schwarz auf weiß.