Bewerber:innen entdecken ihren Traumjob, reichen Unterlagen ein und hören oft wochenlang nichts. Laut Statista Umfrage klagen 77,3 % der Bewerbenden über fehlende Informationen oder unklare Rückmeldungen, ein erster Eindruck, der lange nachwirkt.
Die Candidate Experience begleitet den gesamten Bewerbungsprozess und beeinflusst, wie zukünftige Vorgesetzte wahrgenommen werden. Jeder Kontaktpunkt trägt zur Attraktivität der Arbeitgeber:innenmarke, zur Bewerbungsbereitschaft und zur langfristigen Bindung von Talenten bei. Die zentrale Frage lautet daher: Wie kann die Candidate Experience von Arbeitgeber:innen so gestaltet werden, dass dieser Prozess für alle Beteiligten positiv und effektiv verläuft?
Was ist die Candidate Experience?
Die Candidate Experience beschreibt das gesamte Erlebnis von Bewerber:innen während des Bewerbungsprozesses. Sie umfasst alles von der Stellensuche über Interviews bis hin zum Onboarding oder einer Absage. Jeder Kontaktpunkt, sogenannter Touchpoint, hinterlässt einen Eindruck bei potenziellen neuen Arbeitgeber:innen. Eine gute Candidate Experience wirkt sich nicht nur auf die Unternehmen und Weiterempfehlungen aus, sondern beeinflusst auch die spätere Employee Experience. Ziel ist ein reibungsloser, mobiler, respektvoller und konsistenter Prozess, der Talente begeistert und auch nach der Zusage durch ein gutes Onboarding langfristig bindet.
Warum sie den Unterschied macht
Es ist einfach, Informationen und einen Eindruck vom Unternehmen auf Webseiten, Social Media oder Bewertungsportalen wie Kununu, Glassdoor oder Indeed zu bekommen. Diese ersten Anlaufstellen entscheiden oft, ob sich Kandidat:innen überhaupt bewerben. Laut Statista Umfrage rekrutieren über Online-Jobportale rund 74 % der Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz neue Mitarbeitende. Die Candidate Experience beginnt also schon mit der Onlinepräsenz.
Transparente, leicht verständliche Informationen sind entscheidend, um Interesse zu wecken. Respektvolles und professionelles Auftreten wird von Bewerbenden vorausgesetzt und sollte auch vom Unternehmen während des gesamten Bewerbungsprozesses konsequent gelebt werden. Eine positive Candidate Experience stärkt die Arbeitgebermarke, macht das Unternehmen attraktiver für Bewerber:innen und erhöht die Chance, dass es weiterempfohlen wird.
Auch nach dem Bewerbungsprozess bleibt die Wirkung spürbar. Ein durchdachtes Onboarding und respektvoller Umgang hinterlassen einen bleibenden positiven Eindruck, fördern Loyalität und Engagement und stärken langfristig die Arbeitgebermarke.
Von der Suche bis zum Start im Job
Die Candidate Experience umfasst alle Momente, in denen Bewerber:innen mit einem Unternehmen in Kontakt kommen. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie die Candidate Experience erlebt wird und lässt sich in sechs übersichtliche Phasen unterteilen.
1. Anziehungsphase
- Ziel: Aufmerksamkeit passender Talente gewinnen, Interesse am Unternehmen und an offenen Positionen wecken
- Touchpoints: Stellenanzeigen (Jobbörsen, Portale, Print), Social Media (LinkedIn, Instagram, TikTok, Facebook), Karriereseite, Empfehlungen
- Erwartungen: Klare Stellenbeschreibung, authentisches Bild des Unternehmens, Transparenz zu Arbeitsmodellen (z. B. Remote, Arbeitszeit)
- Fehler: Unklare oder übertriebene Anzeigen, geringe Sichtbarkeit, fehlendes Employer Branding
2. Informationsphase
- Ziel: Erwartungen und Kultur vermitteln, Einblicke vertiefen.
- Touchpoints: Karriereseite, FAQs, Mitarbeiter-Testimonials, Detailinfos zu Stellen und Benefits
- Erwartungen: Authentische Einblicke in Kultur, Aufgaben und Entwicklung; konkrete Angaben zu Gehalt, Benefits, Work-Life-Balance; transparente Prozessdarstellung
- Fehler: Veraltete oder oberflächliche Inhalte, fehlende Mitarbeiterstimmen, widersprüchliche Infos
3. Bewerbungsphase
- Ziel: Reibungslose Bewerbung ermöglichen, Abbrüche vermeiden
- Touchpoints: Bewerbungsformular (mobil optimiert), Lebenslauf-Upload / One-Click-Apply, E-Mail, ATS, Eingangsbestätigung
- Erwartungen: Einfacher, mobiler Prozess; kurze Formulare; transparente Kommunikation über nächste Schritte
- Fehler: Lange Formulare, schlechte Mobile-UX, keine Rückmeldung
4. Auswahlphase
- Ziel: Kompetenzen und kulturelle Passung prüfen, Vertrauen schaffen
- Touchpoints: Interviews (Telefon, Video, Vor-Ort), Assessments, Einladungen & Infomaterial
- Erwartungen: Klare Infos zu Ablauf und Teilnehmenden; respektvolle Kommunikation; zeitnahes Feedback
- Fehler: Unvorbereitete Interviewer, lange Wartezeiten, fehlendes Feedback
5. Angebotsphase
- Ziel: Kandidat:innen überzeugen, Sicherheit und Vertrauen geben
- Touchpoints: Vertragsangebot, Gehalts- & Benefit-Verhandlungen, Kommunikation per E-Mail, Telefon oder Gespräch
- Erwartungen: Transparente Konditionen, schnelle Rückmeldung, persönliche Ansprache
- Fehler: Unklare Angebote, Verzögerungen, unpersönliche Kommunikation
6. Onboardingphase
- Ziel: Produktiven Start und frühe Bindung sicherstellen
- Touchpoints: Erster Arbeitstag (Willkommen, Arbeitsplatz, IT-Zugänge), Einarbeitungsplan, Mentor, Feedbackgespräche
- Erwartungen: Strukturierter Onboarding-Plan, Willkommenskultur, klare Verantwortlichkeiten
- Fehler: Unvorbereiteter Arbeitsplatz, fehlender Plan oder Ansprechpartner
Die Candidate Journey ist ein kontinuierlicher Kreislauf. Eine gute Candidate Experience wirkt nicht nur während des Bewerbungsprozesses, sondern prägt auch die spätere Employee Experience. Kandidat:innen, die diese Phasen als transparent, respektvoll und professionell erleben, behalten das Unternehmen positiv in Erinnerung, empfehlen es weiter und stärken so die Arbeitgebermarke. Auf diese Weise fließen die Erfahrungen der Bewerber:innen zurück ins Unternehmen und tragen langfristig dazu bei, Talente zu binden und die Stellung als attraktiver Arbeitgeber zu festigen.
So wirkt die Candidate Experience bei Generation X,Y,Z
Die Art und Weise, wie Bewerbungen heute ablaufen, wird stark von den unterschiedlichen Generationen geprägt. Jede Generation hat eigenen Erwartungen an den Bewerbungsprozess, von der ersten Stellensuche über digitale Bewerbungswege bis hin zum Onboarding, und beeinflusst damit, wie die Candidate Experience wahrgenommen wird.
Während Gen X (1965–1980) schnelle, unkomplizierte Bewerbungen mit klarer Kommunikation meist per E-mail oder Telefon schätzt, sind Millennials (1981–1996) digital versiert, achten auf Arbeitgebermarke, Karrierechancen und interaktive Inhalte mit Videos oder Social Media. Gen Z (ab 1997) erwartet wiederum digitale, schnelle Bewerbungen ohne klassisches Anschreiben, legt Wert auf digitale Präsenz, Sinnhaftigkeit, Vielfalt, Work-Life-Balance und hybride Arbeitsmodelle. Schlechte Erfahrungen verbreiten sie schnell online, was das Unternehmensimage stark beeinflusst.
Unternehmen, die die Candidate Experience an die unterschiedlichen Bedürfnisse und Generationen anpassen, erhöhen die Bewerbungsbereitschaft, verbessern die Candidate Experience und verschaffen sich so einen klaren Vorteil im Wettbewerb um Talente.
Tipps für einen erfolgreichen Bewerbungsprozess
Viele Führungskräfte machen typische Fehler im Bewerbungsprozess, die die Candidate Experience negativ beeinflussen können. Laut einer Umfrage von Statista bemängeln Bewerber:innen am meisten fehlende Informationen, langsame oder ausbleibende Rückmeldungen, komplizierte Bewerbungsverfahren und mangelnde Transparenz. Um einen negativen Prozess zu vermeiden, lohnt es sich, einige zentrale Punkte zu beachten. Die folgenden Do’s und Don’ts tragen entscheidend dazu bei, die Candidate Experience und damit das Unternehmensimage zu verbessern.
Do’s
- Kommunikation klar & schnell: Status-Updates, transparente Infos zu Ablauf, Gehalt und Benefits, Remote-Optionen
- Persönlich & wertschätzend: Absagen und Feedback individuell, Talentpools nutzen
- Bewerbungsprozess einfach: kurze Formulare, mobil optimiert, ggf. One-Click-Apply
- Vorbereitung & Infos: Ablauf, Interviewdauer und Teilnehmende vorher kommunizieren
- Onboarding: strukturierter Einarbeitungsplan, Ansprechpartner:innen von Anfang an
- Reputation & Monitoring: Bewertungsportale und Social Media beobachten, Feedback einholen
Don’ts
- Bewerber unbeantwortet lassen (Ghosting)
- Unpersönlich oder respektlos kommunizieren
- Lange Wartezeiten ohne Status-Update
- Komplizierte oder nicht-mobile Bewerbungsformulare
- Schlechte Vorbereitung der Interviewer
- diskriminierende oder irrelevante Fragen
- Versprochene Benefits oder Bedingungen nicht einhalten
- Onboarding vernachlässigen
- Wiederkehrende Kritikpunkte ignorieren
Erfolgsfaktoren im Überblick
Die Candidate Experience wirkt weit über den Bewerbungsprozess hinaus. Sie prägt das Bild eines Unternehmens, schafft Vertrauen und bindet Talente langfristig. Klare, respektvolle und gut strukturierte Abläufe erhöhen die Bewerbungsqualität, senken Abbruchquoten und wirken sich positiv auf Loyalität, Engagement und Empfehlungen aus. Wer die Prozesse regelmäßig prüft und auf unterschiedliche Zielgruppen abstimmt, steigert Recruiting-Erfolg und stärkt das Employer Branding nachhaltig.
Wer Prozesse regelmäßig überprüft und auf die Bedürfnisse der unterschiedlichen Zielgruppen eingeht, verwandelt die Candidate Experience in einen entscheidenden Faktor für erfolgreiches Recruiting und einer nachhaltigen Arbeitgebermarke.